Das Fass

Fasslager

Gäbe es nur das „eine“ Fass, wie einfach wäre es dann doch für uns. Wir müssten keine Entscheidung treffen, sondern nähmen das Fass, würden es befüllen, 3 Jahre warten und der Whisky wäre fertig.

Die ganze Unternehmung wird dadurch besonders spannend, dass es dieses „eine“ Fass schlichtweg nicht gibt. Der Ausspruch „Fasstypen sind so zahlreich wie Sterne am Himmel“, wäre zwar leidlich übertrieben, die Richtung stimmt aber.

Einig ist man sich darüber, dass ein Fass um Whisky zu lagern, aus Eiche sein sollte. Andere Holzarten haben sich nicht bewährt, weil nicht zielfördernde Bestandteile aus dem Holz auf den Whisky übergehen könnten, z.B. im Holz eingelagertes Harz.

Die EU-Sprirituosenverordnung gibt für ein Fass, in dem Whisky heranreifen soll, immerhin eine Obergrenze des Volumens an. Maximal 700 Liter darf so ein Behältnis in sich aufnehmen können.

Danach ist es vorbei mit den Vorgaben, jetzt heißt es, uns einen eigenen Kopf zu machen.

Was wir bereits aus unserem bisherigen Alltag wissen ist die Tatsache, dass derartige Entscheidungen niemals am grünen Tisch getroffen werden dürfen, sondern nur im direkten Zwiegespräch mit allen Beteiligten, dazu gehört selbstverständlich auch das betroffene Produkt.

Schließlich lagern wir seit nun schon 40 Jahren alles Mögliche in Fässern, um den Geschmack und die Aromatik einer begehrten Flüssigkeit zu neuen Höchstleistungen anzutreiben. Als da wären Weine, Rum, Gin, diverse Obstbrände, sogar Aceto Balsamico und last but not least eben auch Whisky.

Wir haben sogar letztens den Whisky einer bekannten Destillery von der Insel Islay mit einem Finishing in einem Château Margaux Premier Grand Cru Classé Fass zur Ehre verholfen und anschließend auf die Flasche gebracht. Vielleicht sind die letzten Flaschenabfüllungen sogar noch am Markt zu haben.

In Sachen Fasslagerung macht uns also so schnell niemand etwas vor und um so besser wissen wir, welchen entscheidenden Einfluss die Wahl der richtigen Fässer für eine so sensible Flüssigkeit, wie jungfräulichen Whisky haben kann.

Sicher ist immer, dass das verwendete Fass dem Whisky etwas abgibt von dem, was vorher dort beherbergt wurde. Eine Ausnahme sind selbstverständlich neue Fässer, die ihren eigenen Stil mit dem Whisky verbinden. Dann sind da noch die recycelten Fässer, die mit neuen Böden ausgestattet wurden, usw., usw.

Damit sich die Aufgabenstellung weiter verkompliziert, hat auch die Größe des aus Eichenholz bestehenden Flüssigkeitsbehältnisses einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Aroma des Endprodukts.

Ganz klar, kein Fass der Welt wird unseren Heavy Peated Malt in einen Leisetreter verwandeln können, doch unterschätzen darf man die Fasskomponente nicht, auch weil die Ehe zwischen Holz und Whisky viele Jahre andauert, bis der Scheidungsbeamte in Form unseres Abfüllmeisters in das Geschehen eingreifen wird.

Nicht einfacher wird es für uns auf Grund der Tatsache, dass wir als Profis in der Fasslagerung auch noch auf alle bisher geschilderten Arten und Größen zurück greifen können. Neues 30 Liter-Fass? Kein Problem. Gebrauchtes Bourbon-barrel, Hogshead oder 500 Liter Sherry-Butt? Auch kein Problem. Vielleicht ein Barrique mit 225 Litern Inhalt? Aber sollte dann zuvor Weiß- oder Rotwein darin gelagert worden sein? Oder doch eher Portwein?

An dieser Stelle können wir, ohne Betriebsgeheimnisse preiszugeben, nur sagen, dass wir die Auswahl der Fässer sorgsam, mit Bedacht und Verantwortung betrieben haben.

Erleichternd kam allerdings hinzu, dass wir eine ganze Zahl von Fässern befüllen wollten und darüber hinaus auch mit einem hohen Maß an Experimentierfreudigkeit gesegnet sind. Es ist alles dabei: Vom gut befestigten Pfad bis zum Aufbruch ins Unbekannte bei Dunkelheit.

Wir sind gespannt und können kaum die ersten Verprobungen erwarten, die wir von Zeit zu Zeit angesetzt haben, um ein wachsames Auge auf die Entwicklung unseres Whiskys zu werfen.

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